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Fossilien aus dem Tennengau

Veröffentlicht in Sonderaustellungen

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Das Relief des Tennengaues wird von den Bergen der Nördlichen Kalkalpen und den darin eingegrabenen Flüssen und Bächen bestimmt. Die Gesteinsschichten wurden in den verschiedensten Zeitabschnitten des Erdmittelalters (Trias, Jura, Kreide) im Meer abgelagert und enthalten daher recht unterschiedliche Fossilien.

Trias: Am mächtigsten und ausgeprägtesten sind die Gebirgsstöcke des in der Oberen Trias (Nor,  Rhät) abgelagerten Dachsteinkalks. Davon gehören im Bereich des Salzachtales der Hohe Göll, Teile des Hagen- und Tennengebirges und der Schwarzerberg bei Golling zum Tennengau.

Am besten erforscht ist der Aufbau des Göllmassivs. Es besteht an seiner Südseite (gegen das Bluntautal hin) aus einem Korallen-Schwammriff (Dachstein-Riffkalk), das im Norden - in der dem offenen Meer abgewandten Seite - langsam in gebankten Dachsteinkalk übergeht. Diese Kalkbänke sind vom Salzachtal aus gut zu erkennen. Das Riff erstreckt sich über 6 km in Ost-West-Richtung und ist 800 m bis 1200 m breit. Seine Mächtigkeit beträgt 1200 m. Dies war nur möglich, weil der Meeresspiegel im gleichen Tempo stieg, wie die Riffbildner das Riff aufbauten, sodass sie immer weiter bauen mussten. Die einzelnen Riffbildner und –bewohner erkennt man nur dann gut, wenn der Stein stark angewittert ist, oder wenn man ihn schneidet und schleift. Am Hohen Brett bekommt man einen guten Einblick, denn man geht direkt über das verwitternde Riff.

Im tieferen Meer, außerhalb der Dachsteinkalk-Plattformen, lagerte sich hauptsächlich im Karn und Nor der Hallstätter Kalk ab. Er ist am Dürrnberg aufgeschlossen. Die Wallfahrtskirche wurde aus dem direkt an Ort und Stelle abgebauten Hallstätter Kalk errichtet. Stellenweise ist dieser Kalk reich an Ammoniten. Gerhard Wolf konnte hier in älteren Schichten des Hallstätter Kalkes (Ladin) die Knochen eines Sauriers (Omphalosaurus wolfi) entdecken, der nach seiner Bergung ins Gollinger Museum kam.

Auch die in den Gräben unterhalb des Hohen Bretts zu findenden roten Triaskalke werden von manchen Wissenschaftlern den mit Dachstein-Riffkalk verzahnten Hallstätter Kalken zugeordnet.

Eine einzigartige Fundstelle bilden die berühmten norischen Fischmergel des Wiestales. Hier darf nur mit Genehmigung des Besitzers (unter großem Arbeitsaufwand) gegraben werden. Eine solche Grabung findet zur Zeit statt und wird sicher wieder hervorragende Funde bringen.

Im Norden der Dachsteinkalk-Plattformen lagerten sich am Ende der Trias in einem seichteren Meeresbecken die Kössener Schichten und der Oberrhätsche Riffkalk ab. Beide sind in einem Streifen von Adnet über das Wiestal und die Gaissau bis nach Hintersee immer wieder aufgeschlossen. Die Riffe sind wesentlich kleiner als im Dachsteinkalk, sie erreichen meist nur 500 m Durchmesser und 200 m Mächtigkeit. Zu ihnen gehören drei im Raum Hintersee (Gruberriff, Feichtensteinriff, Hanslkirchenriff) sowie das Rötelwandriff („Looswand“) in der Gaissau und das Adneter Riff. Letzteres wurde früher im Kirchenbruch abgebaut, auch heute noch im Tropfbruch. Hier kann man die riffbildenden Korallen noch in Lebendstellung sehen. Die Kössener Schichten finden wir rund um die Riffe und am Steindlbach im Wiestal sowie am Mörtelbach in der Gaissau. Beide Bereiche – Riffkalk und Kössener Schichten - enthalten zahlreiche Fossilien. Sie gehen im Süden in den Dachsteinkalk über.

Jura: Über den Triaskalken lagerten sich im Unteren Jura (Lias) vor allem die Adneter Schichten in ihren verschiedenen Erscheinungsformen ab. Heute werden diese – wie auch die anderen Gesteinsschichten – in Gruppen, Formationen und Subformationen unterteilt. Ich bin bei den für alle Nichtgeologen begreifbaren Namen geblieben. Die Rotfärbung der Adneter Kalke und Mergel entstand nach neueren Erkenntnissen durch die Ausscheidungen von Cyanobakterien. Wir finden Adneter Schichten von Hintersee über die Gaissau bis Adnet (wo sie großräumig auftreten und abgebaut werden), weiter über den Tauglboden, den Pass Lueg hin zum Südrand des Hagengebirges (Kratzalm, Angeralm, Schlum). Die Schichten sind reich an Ammoniten, Crinoiden und Kleinfossilien.

Die im Oberen Jura (Malm - Oxfordium, Kimmeridgium) abgelagerten Tauglbodenschichten sind Beckenbildungen. In dieses tiefe Meeresbecken wurden durch Hangrutschungen Komponenten des flacheren Meeres eingespühlt, die größere Fossilien enthalten können. Ansonsten finden wir nur mikroskopisch kleine Radiolarien, die in einigen Horizonten gesteinsbildend sein können.

Die Oberalmer Schichten wurden hauptsächlich im obersten Malm (Tithonium) in einem tiefen Meeresbecken abgelagert. Sie sind in der südlichen Osterhorngruppe weit verbreitet und bilden weite Teile des Oberalmerberges, des Spumberges, des Schlenkens, des Schmittensteins und des Trattberg-Gebietes. Sie sind bis zu 700 m mächig und bestehen aus bis zu 14 000 einzelnen Steinbänken. An Fossilien finden wir hauptsächlich Aptychen und Belemniten.

Kreide: Kreideablagerungen gibt es im Tennengau nur örtlich beschränkt. In der Unterkreide (Valanginium) wurden die Schrammbach-Schichten gebildet. Ihre Mächtigkeit beträgt ca. 200 m. Wir finden sie im Schrammbach- (namensgebend) und Steigbachgraben, die vom Rossfeld zur Salzach führen und im Gebiet von St. Koloman-Wegscheid. Die Schichten liefern in erster Linie flachgedrückte Ammoniten und Aptychen, seltener Muscheln. Bei manchen Ammoniten können die Innenwindungen limonitisiert sein.

Über den Schrammbach-Schichten lagerten sich im Bereich westlich von Kuchl die Rossfeldschichten ab. Die Unteren Rossfeld-Schichten (Obervalanginium – Unterhauterivium) liefern vor allem Ammoniten, die meist tektonisch verformt sind. Unter ihnen finden wir die für die Unterkreide typischen entrollten Arten.

Die wohl bekanntesten fossilführenden Schichten des Tennengaues sind die alpinen Gosauschichten der Oberkreide. Sie sind vor allem im Raum Russbach, aber auch z. B.: bei Rigaus aufgeschlossen. Das Gebiet des Randobaches und seiner Nebengräben, des Nefgrabens, der Schneckenwand oder Trauwand sind unter Fossiliensammlern fast weltweit bekannt. Der ungeheuere Fossilien- und Artenreichtum hebt dieses Gebiet über alle anderen Fundorte des Tennengaues heraus. Die zahllosen Korallen, Schnecken, Muscheln und Kleinfossilien locken schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Wissenschaftler und Sammler aus ganz Europa an.

Zum Schluss muss noch gesagt werden, dass diese ganzen Ablagerungen nicht vor Ort entstanden sind, sondern etwa in der Gegend des heutigen Nordafrikas. Sie wurden durch plattentektonische Vorgänge zusammengeschoben, aufgefaltetet und hierher verfrachtet.