joomla templates top joomla templates template joomla

Archäologie Georgenberg

Veröffentlicht in Archäologie

  • P4.jpg
  • P2.jpg
  • P3.jpg
  • P1.jpg

Das Projekt „Archäologie Georgenberg“ ist ein sehr neues und brandaktuelles Projekt des Museumsvereins. Es entstand im Zuge der Planungsvorbereitungen zur Sonderausstellung „Der Georgenberg“.
2011 wurden vom Museumsverein Recherchen gestartet, die einerseits zum Ziel hatten, die, bei den auf dem Georgenberg 1962/63 durchgeführten Grabungen aufgefundenen, Artefakte endlich wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen und andererseits die, bereits in der „Tabula Peutingeriana“ angeführte, römische Straßenstation „cucullae“ zu finden.

Bereits bei ersten Funden aus dem Jahre 1873 und in Folge weiterer Grabungen wurden Hinweise auf die römerzeitliche Besiedelungsgeschichte des Georgenberges geborgen. Mittlerweile ist die ununterbrochene Siedlungsgeschichte von der Bronzezeit bis in die Gegenwart belegt. Eine Siedlungsgeschichte bis in die Jungsteinzeit gilt als sehr wahrscheinlich.

1962/63 wurden auf dem Georgenberg im Rahmen eines internationalen wissenschaftlichen Projektes, gemeinsam mit der „Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ und dem „Österreichischen Archäologischen Institut“ umfangreiche Grabungen durchgeführt. Durch den plötzlichen Tod des damaligen Grabungsleiter, wenige Wochen nach Abschluss der Grabungen, verschwanden diese Exponate leider über Jahrzehnte in den Kellern diverser Kellerdepots.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Funde aus den Grabungen 1962/63 ist, auf Initiative des Museumsvereines im Zuge des Projektes „Archäologie Georgenberg“, in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, dem Salzburg Museum und der Universität Salzburg endlich in Angriff genommen worden. Dank Dr. Felix Lang und seinem Team (u.a. Elisabeth Binder M.A., Petra Eitzinger M.A. und Mag. Doris Knauseder) ist es nun endlich gelungen diese Artefakte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Fachpublikation zur Aufarbeitung der Altfunde wird spätestens im Juni in unserem Museumsshop erhältlich sein.

In der „Tabula Peutingeriana“ (Mittelalterliche Kopie, ca. 12 Jhd, einer römischen Karte in der alle Straßenverbindungen innerhalb des römischen Imperiums und sämtliche Straßenstationen inkl. Meilenangaben zwischen den Straßenstationen vermerkt sind) ist „cucullae“ 14 römische Meilen südlich von Salzburg (“Iuvao“) eingetragen. Die Entfernung von „Iovao“ nach „Cucullae“ entsprach einer Tagesetappe. Die Breite der, in Kuchl, ergrabenen römischen Straße mit ca. 9,6m (Abstand der beidseitigen Entwässerungskanäle) lässt auf einen regen Waren- und Militärverkehr schließen.

Die Erforschung unserer lokalen Geschichte ist sicherlich spannend, aber auch kostenintensiv. Deshalb sind wir permanent auf der Suche nach Sponsoren, die es uns ermöglichen unsere Wurzeln zu finden und die Spuren der Kuchler Vergangenheit zu sichern.

Wir möchten uns an dieser Stelle sowohl bei allen aktiv Beteiligten als auch bei unseren Sponsoren bedanken, die es uns ermöglichen unser Kuchler Kulturgut wissenschaftlich zu untersuchen sowie für die nachfolgenden Generationen zu sichern und zu erhalten. Unser Kuchler-Tal ist dermaßen reich an Kulturgütern, dass es unverantwortlich wäre diese Plünderern und Schatzgräbern zu überlassen.

 

Leseprobe aus dem Buch "Der Georgenberg", Autor: Christian Mitterbauer

Vielleicht bereits in der Jungsteinzeit, mit Sicherheit von der Bronzezeit bis ins Mittelalter war unser „Bergl“ bewohnt. Das breite und flache Salzachtal, das sich vom Pass Lueg bis in den Süden der Stadt Salzburg erstreckt, und aus welchem der Georgenberg markant aufragt, wurde bis in die Neuzeit als „Kuchler Tal“ angesprochen. Im Zuge der Ausstellungsrecherchen war es uns gegönnt einen Blick vom Kirchturm der Georgskirche über die Baumwipfel hinweg zu werfen – und es war verblüffend festzustellen, dass man von dort bis zur Stadt Salzburg und in der Gegenrichtung bis zum Pass Lueg uneingeschränkte Sicht hat. Dies war sicherlich einer der Beweggründe für die ersten Siedler sich diesen schönen und strategisch wichtigen Ort auszusuchen. Auch die auffällige Anzahl der, auf dem Georgenberg gefundenen, keltischen und römischen Münzen belegen eine intensive Besiedelung.

Eine dieser Münzen, sie wurde 2012 gefunden, hat eine ganz besondere Geschichte…

… und diese Geschichte begann im Jahr 2011, als der Ausschuss des Museumsvereins beschloss, die nächste Sonderausstellung dem Georgenberg zu widmen. Die oben angeführten Tatsachen brachten uns schnell auf die Idee, dass es doch eine Sensation wäre, wenn der Museumsverein die, in der Tabula Peutingeriana eingezeichnete Straßenstation „Cucullis“, 14 römische Meilen von Iuvavum entfernt, finden würden. Nach einigen Monaten intensiver Recherchen wurde im März 2012 eine Begehung einer Verdachtsfläche nördlich des Georgenbergs von Mitgliedern des Museumsvereins durchgeführt. Und tatsächlich wurde unter anderem ein römisches Bronzefibelfragment, Tonscherben und auch eine ausgezeichnet erhaltene Münze gefunden. Dr. Peter Höglinger vom Bundesdenkmalamt Salzburg wurde unverzüglich über die Funde informiert. Schon am nächsten Tag wurde ein Termin mit ihm vereinbart und als ihm die Münze vorlag, sagte uns sein überraschter Gesichtsausdruck, dass wir etwas Außerordentliches gefunden hatten. Kurzum, er nahm die Fundstücke zur genaueren wissenschaftlichen Analyse ins Bundesdenkmalamt mit. Nach ein paar Wochen stand dann endgültig fest, dass es sich bei dieser Münze um eine keltische Tetradrachme, eine der höchstwertigsten Münzen im keltischen Münzsystem, in außerordentlich gutem Erhaltungszustand handelte. Darüber hinaus deutete das für eine Tetradrachme geringe Gewicht auf eine altertümliche Fälschung hin. Da aber keltische Münzen, auch in von den Römern okkupierten Gebieten bis ins 1 Jhd.  weiterverwendet wurden, war klar, dass die Münze einst dort verloren ging, wo viel Münzumlauf und damit Verkehr stattgefunden hatte. Waren wir tatsächlich auf die Straßenstation Cucullis gestoßen?

Als nächstes nahmen wir mit Dr. Felix Lang von der Universität Salzburg Kontakt auf. Einerseits sollten die Funde aus den Grabungen 1962/63 endlich wissenschaftlich aufbereitet und andererseits die Suche nach der Straßenstation weiter fortgesetzt werden. Felix Lang hörte sich unsere Idee bezüglich einer Oberflächenprospektion des Fundortes und die Ergebnisse unserer Recherchen an - und war sofort begeistert.

Die Aufbereitung der „Altfunde“ aus den oben angeführten Grabungen war nach Grabungsende 1963 nie durchgeführt worden, weil der leitende Archäologe kurz nach Ende der Grabungen verstarb. Die Fundstücke verschwanden für Jahre in den Kellern der Universität München. Auch nachdem die Fundstücke später an das Keltenmuseum und noch später an das Salzburg Museum übergingen, wurden sie nie wissenschaftlich bearbeitet. Felix Lang und sein Team nahmen sich der Aufgabe an und haben mittlerweile Hunderte von Objekten, u.a. Keramikfragmente, Fibeln und auch Münzen angesehen und wissenschaftlich bearbeitet.

Bereits im März 2013 wurde ein Termin für die Prospektion der erwähnten Verdachtsfläche gefunden. Sämtliche Prospektionen werden von Dr. Gerald Grabherr, Universität Innsbruck, unter Leitung von Felix Lang durchgeführt.
Den ganzen Tag wurde vermessen und das Georadarvehikel über die großteils frühjahrsfeuchte Wiese geschoben. Das Ergebnis der Prospektion war jedoch ernüchternd. Die unterirdische Gasleitung „verstrahlte“ im Verdachtsgebiet einen Streifen von 20m Breite und keine Mauerreste konnten identifiziert werden. Außer drei, im Dreieck angeordneten, vermuteten Feuerstellen und zwei parallelen Reihen von vermuteten Holzpfahlresten (3-4 Stück je Reihe, Gesamtfläche: ca. 3m x 4-6m), die in exakter Nord-Südausrichtung positioniert sind, war nichts zu sehen. Auch die im Herbst 2013 folgenden beiden Prospektionen brachten keine gewünschten Ergebnisse.
Zwei Geoprospektionen stehen jedoch noch aus. Eine wird im Frühjahr 2014 auf dem nördlichen Hochplateau des Georgenberges stattfinden, die Zweite wird nach weiteren, lokalen Recherchen und mit etwas Glück vielleicht die römische Straßenstation „Cucullis“ wieder zu Tage bringen.

Auch das Salzburg Museum unter kompetenter Leitung des Fachbereichsleiter Archäologie, Dr. Wilfried Kovacsovics, arbeitet intensiv und mit großem Interesse an der Aufarbeitung der Altfunde und der weiteren Erforschung Salzburger Kulturgutes innerhalb des mittlerweile gewachsenen Projektes mit.

So entwickelte sich aus einem Münzfund das umfangreiche und interessante Projekt „Archäologie Georgenberg“, das auch nach der Sonderausstellung weiterverfolgt werden soll.
Die Geschichte der Münze vom Georgenberg endet hier, die Geschichte des Projektes „Archäologie Georgenberg“ wird jedoch weiter fortgesetzt. Dadurch sind auch zukünftig weitere wichtige Entdeckungen auf unserem Gemeindegebiet zu erwarten.